Die dritte Fahrtfamilie · Pilotphase

Personentransport, ohne Verordnung

Nicht jede Fahrt, die eine Einrichtung organisiert, ist eine Krankenfahrt: der Ausflug der Wohngruppe, die Fahrt zum Amt, der Heimweg nach dem Vereinsfest. Der coderis-Vermittler vermittelt solche allgemeinen, nichtmedizinischen Fahrten an Taxi- und Mietwagenbetreiber – für Reisegruppen von 1 bis 8 Personen, mit klarer Zahlungsabsicht und derselben datensparsamen Vermittlung wie bei der Krankenbeförderung.

Einordnung

Drei Fahrtfamilien, eine Plattform

Wir sortieren Fahrten – bewusst vereinfacht – in drei Fahrtfamilien: nach dem Anlass der Fahrt und dem Regelwerk, das für sie gilt. Denn daran hängt, welche Angaben nötig sind, wer die Fahrt fahren darf und wie abgerechnet wird.

Krankenfahrt

  • Medizinisch veranlasste Fahrt ohne fachliche Betreuung unterwegs – mit Taxi oder Mietwagen, etwa zur ambulanten Behandlung.
  • Oft mit Verordnung und Abrechnung über die Krankenkasse.

Qualifizierter Krankentransport

  • Krankentransportwagen mit qualifiziertem Personal – liegend, mit Betreuungsbedarf oder besonderer Ausstattung.
  • Das medizinische Leistungsniveau bestimmt Fahrzeug und Personal.

Personentransport

  • Allgemeine, nichtmedizinische Fahrt – ohne Verordnung, ohne Betreuungsbedarf, mit Taxi oder Mietwagen.
  • Bestellt von Organisationen: Pflegeeinrichtung, Werkstatt, Kommune, Verein, Unternehmen.

Technisch ist der Personentransport keine Variante der Krankenfahrt, sondern eine eigene Auftragsfamilie mit eigenen Feldern und eigener Vermittlungsstrecke – in der API-Referenz unter /v1/person-transports. Ein Krankentransportwagen ist übrigens keine eigene Familie, sondern das Fahrzeug des qualifizierten Krankentransports.

Abgrenzung

Wann ein Personentransport passt – und wann nicht

Die Grenze ist der Anlass der Fahrt, nicht das Fahrtziel: Eine selbst bezahlte Fahrt zur Klinik kann ein gewöhnlicher Personentransport sein. Umgekehrt gehört eine verordnete Taxifahrt zur Behandlung in die Familie der Krankenfahrten – auch wenn dasselbe Fahrzeug fährt.

Das ist ein Personentransport

  • Eine Bewohnerin fährt zum Amtstermin – die Einrichtung bestellt und zahlt
  • Ein Besucher wird nach Hause gefahren und zahlt selbst im Fahrzeug
  • Die Wohngruppe fährt zu acht im Großraumtaxi zum Ausflugsziel – ein Start, ein Ziel, ein Zahler
  • Zwei Beschäftigte, eine davon im eigenen Rollstuhl, fahren gemeinsam zur Werkstatt

Das ist keiner – und die Bestellung sagt es

  • Es gibt eine Verordnung oder die Fahrt ist medizinisch notwendig → Krankenfahrt
  • Unterwegs ist Betreuung nötig oder Isolation vorgeschrieben → qualifizierter Krankentransport
  • Mehrere Fahrgäste an verschiedenen Adressen abholen oder absetzen → nicht im Angebot; das sind einzelne Aufträge
  • Jeder Fahrgast hat einen eigenen Zahler → einzelne Aufträge, keine Sammelfahrt

Die Abgrenzung ist eingebaut, kein Kleingedrucktes

Jede Bestellung bestätigt ausdrücklich, dass keine Verordnung vorliegt, keine medizinische Notwendigkeit besteht und weder Betreuung noch Isolation gebraucht werden. Passt das nicht, blockiert die Bestellung mit einem Hinweis auf die richtige Fahrtfamilie – sie wird nicht stillschweigend umgedeutet. Gesundheitsdaten wie Diagnosen weist die Plattform beim Personentransport grundsätzlich ab; ein Freitextfeld, in das sie ausweichen könnten, gibt es bewusst nicht.

Die Reisegruppe

1 bis 8 Personen, ein Fahrzeug, ein Zahler

Ein Personentransport befördert eine zusammengehörige Reisegruppe: alle steigen am selben Ort ein, alle steigen am selben Ort aus, und es gibt genau einen Zahler. Sechs Personen machen aus dem Auftrag noch keine Sammelfahrt – ein Großraumtaxi für die ganze Gruppe bleibt ein Personentransport.

Wer mitfährt

  • Jede Person hat eine Rolle: Hauptfahrgast, Mitfahrer oder Begleitung – Begleitung ist eine Rolle, keine zusätzliche Personenzahl.
  • Nur der Hauptfahrgast wird namentlich erfasst. Alle anderen bleiben ohne Namen – die Plattform fragt nicht mehr ab, als die Fahrt braucht.
  • Ein Fahrtkontakt mit Telefonnummer ist immer erreichbar – das kann der Hauptfahrgast sein, muss es aber nicht.

Wie jede Person sitzt

  • Je Person genau eine Angabe: auf einem Fahrzeugsitz oder im eigenen Rollstuhl – daraus ergibt sich der Fahrzeugbedarf von selbst.
  • Ein Faltrollstuhl ist Gepäck: die Person sitzt regulär, der Rollstuhl fährt im Kofferraum mit.
  • Ob Rampe oder Lift nötig ist, leitet die Plattform ab – niemand muss Fahrzeugtechnik auswählen.

Kinder und Jugendliche

  • Jede Person ist als erwachsen oder minderjährig gekennzeichnet.
  • Minderjährige auf einem Fahrzeugsitz brauchen das passende Rückhaltesystem – Babyschale, Kindersitz oder Sitzerhöhung.
  • Fährt eine minderjährige Hauptperson, muss mindestens eine erwachsene Person mitfahren.

Fahrzeug und Service

Was sich bestellen lässt

Gefahren wird mit Taxi oder Mietwagen – wer beides gleich gut findet, wählt „Taxi oder Mietwagen“ und bekommt die größte Betreiberauswahl. Ein Krankentransportwagen ist für den Personentransport kein Ersatzfahrzeug. Dazu kommen die Bedarfe, die im Alltag den Unterschied machen:

Hilfe beim Einsteigen

Einstiegshilfe am Fahrzeug oder Begleitung von Tür zu Tür – als verbindlicher Bedarf, den nur Betreiber bekommen, die ihn auch leisten.

Gepäck und Hilfsmittel

Koffer, Großgepäck, Faltrollstuhl, Gehhilfe, Kinderwagen oder Fahrrad – jedes Stück wird benannt, damit der Stauraum wirklich reicht.

Treffpunkt und Zugang

Abholung am Eingang oder am Empfang, stufenfrei oder mit Treppen, Anruf bei Ankunft – die Crew weiß vor Ort, was sie erwartet.

Assistenzhund und Haustier

Ein Assistenzhund wird angekündigt und fährt mit. Haustiere sind ein eigener Bedarf – mit Art, Größe und Transportbox – und brauchen einen Betreiber, der sie annimmt.

Für alle Angaben gilt dieselbe Härte wie in der Krankenbeförderung: Ein Betreiber, der einen Bedarf nicht abdeckt, bekommt das Angebot gar nicht erst. Sitzplätze, Rollstuhlplätze, Kindersitze und Gepäck werden gezählt, nicht geschätzt. Was der Stand bewusst noch nicht enthält: Treppenhilfe ins Obergeschoss und ähnliche Sonderleistungen – lieber ehrlich weglassen als versprechen.

Zahlung

Klare Zahlungsabsicht statt Zahlungsabwicklung

Beim Personentransport gibt es keine Krankenkasse im Spiel – gezahlt wird privat oder von der Organisation. Die Bestellung legt die Zahlungsabsicht vorab fest, in einer von drei Formen:

Zahlung im Fahrzeug

  • Bar, mit Karte oder „bar oder Karte“ – die Fahrgäste zahlen direkt beim Fahrer.
  • Der Betreiber sieht die Zahlungsart vorab und weiß, worauf er sich einlässt.

Rechnung

  • Der Betreiber stellt der bestellenden Organisation oder dem Fahrgast eine Rechnung – mit rechtlich klarem Zahler, Rechnungsadresse und auf Wunsch Kostenstelle und Bestellreferenz.
  • Nur Betreiber, die Rechnungszahlung ausdrücklich zusagen, bekommen solche Fahrten angeboten – es gibt keinen stillen Wechsel auf „zahlt dann eben selbst“.

Rechnung an einen Dritten

  • Zahlt ein Dritter – etwa ein Träger mit Bewilligung –, gehören Aktenzeichen, Gültigkeit und Umfang der Bewilligung zur Bestellung.
  • So weiß der Betreiber vor der Zusage, dass die Rechnung ein reales Zuhause hat.

Was die Plattform beim Geld ausdrücklich nicht tut

Der coderis-Vermittler berechnet keine Preise, wickelt keine Zahlungen ab und erstellt keine Rechnungen – Tarif und Abrechnung bleiben Sache des Betreibers. Die Plattform vermittelt die Zahlungsabsicht und sorgt dafür, dass sie zum Betreiber passt. Eine Abrechnung über die gesetzliche Krankenversicherung gibt es beim Personentransport nicht: Wer eine Verordnung hat, hat eine Krankenfahrt – und wird genau dorthin verwiesen.

Der Ablauf

Von der Anfrage zum Fahrzeug

Der Personentransport nutzt dieselbe Vermittlungsmechanik wie die Krankenbeförderung – hier ohne Fachjargon erklärt – mit einem eigenen, passenden Fähigkeiten-Abgleich: Fahrzeugprofil, Plätze, Rollstuhlplätze, Kindersitze, Gepäck, Servicebedarfe und Zahlweg müssen von einem Betreiber vollständig abgedeckt sein.

  1. Vorab fragen: Ginge das überhaupt?

    Die unverbindliche Verfügbarkeitsprüfung fragt alle geeigneten Betreiber parallel – als Momentaufnahme. Sie reserviert nichts, verspricht nichts und braucht keine Adressen oder Namen: Region, Zeit und Bedarf genügen. Und wenn die Antwort unvollständig bleibt, blockiert das die Bestellung nicht.

  2. Bestellen – mit Zeitfenster oder „möglichst bald“

    Bestellt wird mit einem Abholfenster oder einer spätesten Ankunft. „Möglichst bald“ übersetzt die Plattform beim Anlegen in ein konkretes Abholfenster – im Standard die nächsten 15 Minuten –, damit alle Beteiligten mit derselben verbindlichen Zeit arbeiten.

  3. Angebote gehen an passende Betreiber

    Wie bei der Krankenbeförderung: regelbasiert, parallel oder nacheinander, jedes Angebot mit fester Entscheidungsfrist – und ohne Personendaten.

  4. Genau ein Betreiber erhält den Zuschlag

    Die erste gültige Zusage gewinnt, alle übrigen Angebote erlöschen. Erst der Gewinner sieht die vollständigen Fahrtdaten und meldet zurück, welches Fahrzeug fährt.

  5. Status bis zum Fahrtende

    Losgefahren, angekommen, Fahrt begonnen, Fahrt beendet – jede Station meldet sich beim Besteller von selbst. Findet sich kein Betreiber, sagt die Plattform das ausdrücklich und mit Grund, statt die Anfrage liegen zu lassen.

Datenschutz

Vor dem Zuschlag: Region statt Adresse

Für die Frage „kann ich das fahren?“ braucht niemand Namen oder Hausnummern. Beim Personentransport ist das nicht nur ein Versprechen, sondern Teil des Vertrags: Die Angebotsansicht der Betreiber ist eine geschlossene Liste erlaubter Angaben – was nicht auf der Liste steht, wird nicht übertragen.

Vor dem Zuschlag sieht jeder gefragte Betreiber

  • Abhol- und Zielregion: Land, Postleitzahlbereich, Ort – keine Straße, keine Hausnummer
  • Das Zeitfenster oder die späteste Ankunft
  • Den vollständigen Platz- und Servicebedarf: Personen, Sitz- und Rollstuhlplätze, Kindersitze, Gepäck, Assistenzhund, Haustier
  • Fahrzeugprofil, Zahlweg und Zahlerart – nicht aber, wer genau zahlt
  • Die Frist, bis wann er sich entscheiden muss

Erst der Gewinner bekommt zusätzlich

  • Die genauen Abhol- und Zieladressen mit Treffpunkt und Zugangshinweisen
  • Den Namen des Hauptfahrgasts und den Fahrtkontakt mit Telefonnummer
  • Die für den vereinbarten Zahlweg nötigen Rechnungs- oder Bewilligungsangaben

Wer nicht gewinnt, behält nichts als die Information, dass die Anfrage erledigt ist.

Ehrliche Grenzen

Was der Personentransport ausdrücklich nicht ist

Damit niemand etwas erwartet, das der Stand nicht hält – die Grenzen sind bewusst gezogen und gelten, bis wir öffentlich etwas anderes sagen:

Keine Taxi-App

  • Bestellt wird im organisationsgebundenen Portal oder über die API – von angemeldeten Organisationen, für sich oder für andere.
  • Keine anonyme Bestellung, kein öffentlicher Endkunden-Kanal, keine App für Privatpersonen.

Keine Sammel- und Verteilfahrten

  • Eine Reisegruppe, ein Start, ein Ziel, ein Fahrzeug – keine Zwischenstopps, keine Touren über mehrere Adressen.
  • Auch keine Rückfahrt im selben Auftrag und keine Serienfahrten – jede Fahrt ist ein eigener Auftrag.
  • Ob ein Betreiber unabhängige Aufträge bündelt (Stichwort Ridepooling), ist seine dispositive Entscheidung – die Plattform plant keine Touren.

Kein Geldgeschäft

  • Keine Preisberechnung, kein Festpreis, keine Zahlungsabwicklung, kein Inkasso, keine Rechnungserstellung.
  • Keine Abrechnung mit der gesetzlichen Krankenversicherung – dafür gibt es die Krankenfahrt.

Wo der Personentransport heute steht

Der Personentransport ist Teil des öffentlich einsehbaren Vertrags und im Bestellerportal, in der Vermittlung und in der Betreiberanbindung umgesetzt und getestet – die formale Abnahme der Schnittstellen-Familie steht noch aus, den genauen Stand je Operation nennt der Reifegradblock im API-Überblick. Wie überall gilt: Betriebskennzahlen veröffentlichen wir erst, wenn sie im Pilotbetrieb gemessen sind.

Ihr Einstieg

Für Besteller, Taxi- und Mietwagenbetreiber, Softwarepartner

Sie bestellen Fahrten

  • Pflegeeinrichtung, Werkstatt, Kommune, Verein oder Unternehmen: Sie bestellen Personentransporte im selben Portal wie Krankenfahrten – mit den Feldern, die zu dieser Fahrtfamilie gehören.

Sie fahren Taxi oder Mietwagen

  • Sie erhalten Anfragen aus Ihrer Region, die zu Fahrzeugen, Plätzen und Zahlwegen passen – ohne Personendaten vor dem Zuschlag, mit voller Kontrolle über jede Zusage.

Sie bauen die Software

  • Der Personentransport ist eine eigene Familie der offenen CVP-API – additiv eingeführt, bestehende Anbindungen bleiben unberührt. Felder und Kataloge sind öffentlich dokumentiert.

Telefon: +49 4173 2199 300